Individuelle Straßenplanung und frühzeitige Beteiligung der Bürgerschaft als Beitrag zum Gesundheitsschutz.

Die aktuelle Diskussion um den Ausbau der Rudolf-Breitscheid-Straße zeigt, dass Falkensee vor einer wichtigen Aufgabe steht. Zahlreiche Haupterschließungsstraßen werden in den kommenden Jahren neu geplant oder ausgebaut. Damit bietet sich die Chance, die Straßenplanung an die heutigen Herausforderungen anzupassen.

Aus Sicht der Lokalen Agenda 21 Falkensee sollte dabei der Gesundheitsschutz der Bevölkerung u.a. durch Hitzemanagement zu einem zentralen Planungsziel werden.

Gesundheitsschutz gewinnt zunehmend an Bedeutung

Die Sommer werden heißer. Längere Hitzeperioden gehören inzwischen auch in Falkensee zur Realität. Hitze belastet insbesondere ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich vorbelastete Personen, betrifft aber letztlich alle Menschen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten. Straßenräume spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie sind nicht nur Verkehrsflächen, sondern Teil unseres täglichen Lebensumfeldes. Straßenbäume leisten hierzu einen unverzichtbaren Beitrag. Sie spenden Schatten, senken Luft- und Oberflächentemperaturen nachweislich um mehrere Grad, verbessern das Mikroklima und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Damit tragen sie unmittelbar zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung und zum Hitzemanagement bei. Der Erhalt möglichst vieler Straßenbäume ist deshalb als wesentliche Aufgabe einer zukunftsorientierten Straßenplanung zu verstehen.

Die Anforderungen an Straßen haben sich verändert

Der Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Falkensee entstand vor rund zehn Jahren. Seitdem haben sich die gesellschaftlichen und klimatischen Rahmenbedingungen deutlich verändert.

Auch die technischen Regelwerke für die Straßenplanung verstehen Straßen heute nicht mehr ausschließlich als standardisierte Verkehrsflächen. Die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) sehen neben typischen Entwurfssituationen ausdrücklich auch einen einzelfallbezogenen Entwurf vor, der die jeweiligen Nutzungsansprüche und örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt. Dieser planerische Spielraum sollte künftig systematisch genutzt werden. Jede Straße be- sitzt eigene räumliche, ökologische und städtebauliche Besonderheiten. Gerade im Hinblick auf den Gesundheitsschutz durch wirksamen Hitzeschutz sollten diese Besonderheiten frühzeitig in die Planung einfließen.

Gute Planung beginnt mit der Aufgabenstellung

Die Qualität einer Straßenplanung entsteht bereits vor dem ersten Entwurf. Planungsbüros arbeiten innerhalb der Ziele, die ihnen von der Stadt vorgegeben werden. Deshalb kommt der Formulierung der Planungsaufgabe eine besondere Bedeutung zu. Wir regen an, den Gesundheitsschutz und insbesondere quantifizierte Hitzefolgenabschätzungen künftig ausdrücklich als Planungsziel in die Aufgabenstellungen für Straßenplanungen aufzunehmen. Dazu gehört insbesondere der größtmögliche Erhalt vorhandener Straßenbäume als wirksamer Beitrag zum Hitzeschutz. Dadurch können bereits zu Beginn Planungsvarianten entstehen, die den heutigen Anforderungen besser gerecht werden.

Örtliches Wissen frühzeitig nutzen

Ebenso sehen wir großes Potenzial in einer frühzeitigen Beteiligung der Bürgerschaft. Derzeit werden Anwohnende häufig erst dann informiert, wenn erste Planungsvarianten bereits vorliegen. Zu diesem Zeitpunkt sind wesentliche Planungsziele und Rahmenbedingungen oftmals bereits festgelegt.

Wir schlagen vor, künftig bereits vor der Beauftragung eines Planungsbüros Hinweise aus der Bürgerschaft einzuholen. Ziel sollte sein, örtliche Besonderheiten im Vorfeld zu erfassen, um aufbauend Lösungsoptionen zu entwickeln.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Bereiche mit hoher sommerlicher Hitzebelastung,
  • besonders prägende oder schützenswerte Straßenbäume,
  • besondere Nutzungen des Straßenraums,
  • örtliche Erfahrungen, die aus Plänen allein nicht erkennbar sind.

Diese Hinweise sollten dokumentiert und als Bestandteil der Aufgabenstellung an das Planungsbüro weitergegeben werden. So können sie bereits bei der Entwicklung der ersten Planungsvarianten berücksichtigt werden.

Unser Anliegen

Die Lokalen Agenda 21 Falkensee versteht diese Anregungen als konstruktiven Beitrag zur Weiterentwicklung der Straßenplanung in unserer Stadt.

Wir sind überzeugt, dass der Gesundheitsschutz der Bevölkerung künftig ein zentrales Leitmotiv bei der Planung unserer Straßen sein sollte. Dazu gehört insbesondere der Erhalt möglichst vieler Straßenbäume als wirksamer Schutz vor zunehmender Hitzebelastung. Eine individuelle Betrachtung jeder einzelnen Straße sowie eine frühzeitige Einbindung örtlicher Kenntnisse können dazu beitragen, tragfähige und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln – zum Nutzen aller Menschen in Falkensee.

Falkensee im September 2026

Lokale Agenda 21 Falkensee
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